Mit dem Herbst werden die Tage kürzer – und die Risiken im Strassenverkehr grösser. Laut der Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu) ereignet sich ein erheblicher Anteil schwerer Velokollisionen bei Dunkelheit oder schlechter Sicht. Wer ohne Licht fährt, ist für andere Verkehrsteilnehmer schlecht oder gar nicht erkennbar.
Hinzu kommt: Gutes Licht schützt nicht nur vor dem Gesehenwerden – es verbessert auch die eigene Sicht. Wer dunkle Velowege, Waldstrecken oder schlecht beleuchtete Strassen fährt, braucht ein Frontlicht, das den Weg tatsächlich ausleuchtet.
Was das Schweizer Recht vorschreibt
Das Schweizer Strassenverkehrsgesetz (SVG) und die Verordnung über die technischen Anforderungen an Strassenfahrzeuge (VTS) regeln die Beleuchtungspflicht für Fahrräder klar:
Licht: Pflicht bei Dunkelheit und schlechter Sicht
- Rücklicht: rot, unter denselben Bedingungen Pflicht
- Beide Lichter müssen gut sichtbar sein – sowohl für entgegenkommende als auch folgende Fahrzeuge
- Vorderlicht: weiss oder hellgelb, zwingend bei Dunkelheit und bei schlechter Sicht (Nebel, Regen, Schnee etc.)
Die Pflicht gilt nicht nur ab einem bestimmten Zeitpunkt abends, sondern immer dann, wenn die Sichtverhältnisse es erfordern – also auch mitten am Tag bei Nebel oder starkem Regen.
Reflektoren: Immer Pflicht – auch tagsüber
Was viele nicht wissen: Reflektoren sind unabhängig von der Tageszeit vorgeschrieben. Die VTS verlangt:
- Weisser Reflektor vorne
- Roter Reflektor hinten
- Gelbe Reflektoren an den Pedalen oder alternativ an den Reifen (Reflexstreifen)
Wer sein Velo nachrüstet oder gebraucht kauft, sollte die Reflektoren immer prüfen. Sie sind günstig, oft übersehen – und gesetzlich Pflicht.
Akku- oder Dynamolicht: beides erlaubt
In der Schweiz sind sowohl fest montierte Dynamo-Lichter als auch abnehmbare Akku- oder Batterie-Lichter gesetzlich zulässig. Entscheidend ist, dass das Licht funktioniert und den Anforderungen entspricht – nicht die Antriebsart.

Dynamo, Akku oder Batterie – was passt zu dir?
Nabendynamo
Der Nabendynamo ist das zuverlässigste System für alle, die regelmässig oder ganzjährig fahren. Er erzeugt Strom durch die Radrotation – kein Laden, kein leerer Akku. Qualitätshersteller wie Busch & Müller oder Supernova bieten Systeme, die selbst bei langsamer Fahrt konstantes Licht liefern.
- Vorteil: Immer betriebsbereit, wartungsarm, langfristig wirtschaftlich
- Nachteil: Nachträgliche Montage aufwendig, Investition in Nabe und Licht zusammen
- Empfehlung: Ideal für Alltagspendler, Stadtfahrer und alle, die das Licht immer dabei haben wollen
USB-Akkulicht
USB-Lichter haben sich im Alltag weitgehend durchgesetzt. Sie lassen sich an jedem USB-Anschluss laden, sind leicht montier- und abnehmbar und bieten heute auch im mittleren Preissegment sehr gute Lichtleistung.
- Vorteil: Flexibel, kein Umbau am Velo nötig, viele gute Modelle im Handel
- Nachteil: Akku muss regelmässig geladen werden – wer das vergisst, fährt ungesichert
- Empfehlung: Gut für alle, die bewusst laden und das Licht auch am Velo belassen, wenn es abgestellt wird
Batterielicht
Batterielichter sind günstig in der Anschaffung, aber auf Dauer teurer und weniger nachhaltig. Für sehr gelegentliche Nutzung oder als Notfalllösung in Ordnung – nicht für den täglichen Einsatz empfohlen.f ART oder Sold Secure.
Lumen vs. Lux – was sagt wirklich etwas aus?
Auf vielen Lichtern steht eine hohe Lumen-Zahl. Was bedeutet das genau?
Lumen (lm): Die Gesamtmenge des abgestrahlten Lichts. Eine hohe Lumen-Zahl bedeutet viel Licht – aber nicht unbedingt an der richtigen Stelle.
Lux (lx): Die Beleuchtungsstärke an einem bestimmten Punkt in einem bestimmten Abstand. Das ist die Kennzahl, die angibt, wie viel Licht tatsächlich auf der Strasse ankommt.
Ein Scheinwerfer mit engem Strahl kann trotz hoher Lumen-Zahl die Strasse schlechter ausleuchten als ein Qualitätslicht mit breitem, gut verteiltem Strahl. Achte beim Kauf auf:
- Breite des Lichtkegels: Beleuchtet er nur geradeaus oder auch den Strassenrand?
- Gleichmässigkeit: Kein blendender Hotspot in der Mitte, sondern gleichmässige Ausleuchtung
- Abstrahlwinkel: Wichtig in Kurven und auf schmalen Velowegen
Als grobe Orientierung (kein gesetzlicher Richtwert, sondern Praxisempfehlung): Für Stadtfahrten mit Strassenbeleuchtung oft 30–100 Lumen ausreichend. Auf dunklen Landstrassen und Velowegen ohne Beleuchtung sind 200 Lumen und mehr sinnvoll.
Blinkmodus beim Rücklicht – erlaubt oder nicht?
Eine häufige Frage: Darf das Rücklicht blinken? In der Schweiz ist dies nicht eindeutig gesetzlich geregelt. Für die Sichtbarkeit tagsüber kann ein Blinkmodus die Aufmerksamkeit erhöhen. Für die Nachtfahrt empfiehlt die bfu (Beratungsstelle für Unfallverhütung) Dauerlicht, da ein Blinkmodus die Einschätzung der Distanz und Geschwindigkeit für nachfolgende Fahrzeuge erschweren kann.
Wer häufig über die Grenze nach Deutschland oder Österreich fährt: Die deutsche StVZO (Strassenverkehrs-Zulassungs-Ordnung) schreibt für den Fahrbetrieb Dauerlicht vor; Blinkmodus ist dort nur im Stand erlaubt. In der Schweiz gilt diese Regelung so nicht – dennoch ist Dauerlicht nachts die sicherere und empfehlenswertere Wahl.
Fazit
Gutes Velo-Licht ist eine günstige Investition in die eigene Sicherheit. Die gesetzlichen Mindestanforderungen (SVG/VTS) sind das Minimum – in der Praxis machen Qualitätslicht und korrekte Montage den entscheidenden Unterschied.
Jetzt, zu Beginn der dunklen Jahreszeit: Licht prüfen, Akku laden, Reflektoren kontrollieren. Und wer noch kein zuverlässiges Licht hat: Die Auswahl im Fachhandel und bei Online-Anbietern ist gross – bereits ab rund CHF 40 gibt es solide USB-Frontlichter mit guter Lichtverteilung.
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Beratungsstelle für Unfallürhütung bfu – Velounfälle und Sicherheitsempfehlungen: bfu.ch
Bundesamt für Strassen ASTRA – Strassenverkehr und Vorschriften: astra.admin.ch
Schweizerisches Strassenverkehrsgesetz (SVG) und Verordnung über die technischen Anforderungen an Strassenfahrzeuge (VTS): admin.ch
Pro Velo Schweiz – Sicherheit im Velostrassenverkehr: pro-velo.ch
Busch & Müller – Dynamolichter und Produktinformationen: bumm.de