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Zwischen Gassen und Gleisen: Velofahren in Chur

Chur setzt auf das Bikesharing-System Mooinz und arbeitet an einer Mobilitätsstrategie 2045, die den 2Rad-Verkehr fest in der städtischen Mobilität verankern soll. Im Interview erklärt die Stadtverwaltung, warum die historisch gewachsene Stadtstruktur und der knappe Strassenraum besondere Herausforderungen darstellen, welche Rolle Stadtrat Simon Gredig – ehemaliger Geschäftsführer von Pro Velo Graubünden – im Thema spielt, und wieso Chur beim Prix Velo für mittelgrosse Städte regelmässig gut abschneidet.

Velomarkt: Wie hat sich das Budget für die Sicherheit im 2Rad-Verkehr in Ihrer Stadt in den letzten 5 Jahren entwickelt?

Chur: Die Mittel für den 2Rad-Verkehr werden in Chur nicht ausschliesslich über einen separate Budgetposition „Sicherheit im 2Rad-Verkehr“ ausgewiesen, sondern fliessen projektbezogen in Verkehrsplanung, Infrastruktur, Unterhalt, Sicherheit und Mobilitätsangebote ein. In den letzten Jahren wurde das Thema jedoch klar stärker gewichtet. Die Stadt hat die fachlichen Zuständigkeiten gestärkt, erhebt an ausgewählten Standorten Daten zum Fuss- und Veloverkehr, hat an der Cyclomania teilgenommen und beteiligt sich am Ausbau des Bikesharing-Systems Mooinz. Der Gemeinderat hat die städtische Beteiligung an Mooinz für die Jahre 2025 bis 2028 ausdrücklich ausgebaut. Zusätzlich wurde die neue Fachgruppe Fuss- und Veloverkehr reorganisiert um schnellere Umsetzungserfolge zu generieren.

Velomarkt: Wie gross sind die Bestrebungen, den 2Rad-Verkehr mit dem motorisierten Verkehr in Einklang zu bringen?

Chur: Diese Bestrebungen sind gross. Chur verfolgt ein ganzheitliches Mobilitätsverständnis. Der 2Rad-Verkehr soll sicherer, attraktiver und alltagstauglicher werden, wo immer möglich abgesetzt/getrennt vom Strassenverkehr. Gleichzeitig müssen der öffentliche Verkehr (Bus), der Fussverkehr, der motorisierte Individualverkehr und der Güterumschlag weiterhin funktionieren. Mit Mooinz, besseren Umsteigebeziehungen und der Einbindung des 2Rad-Verkehrs in die letzte Meile wird insbesondere die Kombination mit dem öffentlichen Verkehr gestärkt.

Velomarkt: Wo wollen Sie mit Ihrer Stadt in Bezug auf den 2Rad-Verkehr in 5 Jahren sein?

Chur: Chur will den 2Rad-Verkehr weiter stärken und als festen Bestandteil der städtischen Mobilität etablieren. Grundlage dafür ist unter anderem die laufende Erarbeitung der Mobilitätsstrategie 2045. In fünf Jahren sollen wichtige Verbesserungen bei Sicherheit, Durchgängigkeit und Attraktivität des 2Rad-Verkehrs umgesetzt oder konkret angestossen sein. Mooinz soll als niederschwelliges Sharing-Angebot weiter etabliert und sinnvoll mit ÖV-Knoten, Quartieren, Bildungsstandorten, Arbeitsplätzen und Freizeitanlagen verknüpft werden.

Velomarkt: Welches sind die grössten Herausforderungen bei der Stadt- und Verkehrsplanung in Bezug auf den 2Rad-Verkehr?

Chur: Die grössten Herausforderungen liegen im begrenzten Strassenraum, in der historisch gewachsenen Stadtstruktur und in der Abstimmung der unterschiedlichen Bedürfnisse aller Verkehrsteilnehmenden. Gerade an Hauptachsen, Knotenpunkten und in engen Strassenräumen braucht es sorgfältige Interessenabwägungen. Hinzu kommen die Finanzierung, die Etappierung von Massnahmen und die Frage, wie Verbesserungen praxistauglich umgesetzt werden können, ohne andere verkehrliche Funktionen unverhältnismässig einzuschränken. Zusätzlich hat die Churer Bevölkerung den Gegenvorschlag zur Stadtklima-Initiative angenommen. Wo immer möglich und sinnvoll, sollen entlang von Strassen und auf Plätzen Bäume gepflanzt und Oberflächen entsiegelt werden. Auch dies erhöht den Abstimmungsbedarf im öffentlichen Raum.

Velomarkt: Wie hoch ist die Debatte um die 2Rad-Thematik politisch gefärbt? Stellen Sie die Praktikabilität der Massnahmen in Bezug auf alle Verkehrsteilnehmenden über politische Ansichten der aktuellen Regierung?

Chur: Die 2Rad-Thematik wird in Chur politisch engagiert diskutiert. Mit Stadtrat Simon Gredig, Vorsteher des Departements Bau Planung Umwelt, hat das Thema zusätzliches politisches Gewicht erhalten. Aufgrund seiner politischen Ausrichtung und seiner früheren Tätigkeit als Geschäftsführer von Pro Velo Graubünden bringt er eine besondere Nähe zur Thematik mit. Die konkrete Umsetzung erfolgt in der Stadt Chur auf Grundlage von Planung, Sicherheit, Funktionalität und Gesamtinteresse. Massnahmen müssen rechtlich abgestützt, verhältnismässig, finanzierbar und für alle Verkehrsteilnehmenden nachvollziehbar sein.

Chur hat sich in den vergangenen Jahren im Bereich 2Rad-Verkehr positiv positioniert und war beim Prix Velo für mittelgrosse Städte regelmässig gut vertreten. Diesen Weg möchte die Stadt mit Augenmass und im Sinne einer ausgewogenen Mobilitätsentwicklung weitergehen.