Lukas Hässig, der mehrfach ausgezeichnete Wirtschaftsjournalist ist begeisterter Velofahrer

Wenn jeder getippte Buchstabe einen Franken wert wäre, wäre Lukas Hässig wohl schon längst reicher als Elon Musk. Lukas Hässig ist einer der renommiertesten Journalisten des Landes und man darf ihn zwingend zur Gilde der bemerkenswertesten Investigativjournalisten zählen. Jeder in der Schweiz wurde beispielsweise auf «seinen Fall Vincenz/Raiffeisen» aufmerksam. Mit seinem News-Portal «Inside Paradeplatz» ist er so nah an der Wirtschaft wie kaum ein anderes Medium. Primeure gehören für den unermüdlichen rund um die Uhr arbeitenden – 365 Tage im Jahr – Journalisten schon fast zur Tagesordnung. So wurde Lukas Hässig in seiner Laufbahn auch mit vielen Preisen ausgestattet: 2010 erhielt er den Preis für unabhängigen Journalismus, 2013 für den Rechercheur des Jahres, 2017 wurde er Wirtschaftsjournalist des Jahres, um dann im Jahr 2018 mit dem Preis zum Journalisten und Wirtschaftsjournalisten des Jahres gekörnt zu werden.

Lukas Hässig der Vielfahrer

«Ich fahre jeden Tag mit dem Velo von Fluntern runter in den Kreis 5, wo mein Büro ist. Das geht 10 Minuten, die morgendliche Kälte bringt mich auf Ideen für Stories. Am Abend gehts dann den Berg hoch, dafür brauche ich 15 Minuten. Montags bis Freitags, Woche für Woche – mein Fitness-Programm. Als Bike habe ich ein Rocky Mountain Gravel (also nicht das Fixie auf dem Bild, dieses ist jetzt 20 Jahre alt), ich kriegte es zum halben Preis, da es sich um ein Vorführmodell handelte. Das beste Investment meines Lebens.»

Velomarkt: Was verbindet Dich mit Deinem Velo?

Lukas Hässig: Vor Urzeiten fuhr ich durchs Zugerland Richtung Gotthard, um ins Tessin zu gelangen, wo meine Mutter eine kleine Wohnung hatte. Mich stach eine Biene, am Abend schwoll der Hals an, am nächsten Morgen schaffte ich es trotzdem über den Pass. In den Serpentinen auf der Südseite wurde mir allmählich schwindlich, zum Glück brachte mich dann ein Freund, der die Tour auf dem Motorrad machte und den ich vor Lugano traf, ins dortige Spital. Mit Antibiotika war ich schnell wieder fit. Die Fahrt ist eine der wenigen meiner Velo-Karriere, sie blieb mir in bester Erinnerung – trotz der heimtückischen Biene.

Velomarkt: Bist Du ein überzeugter, regelmässiger Velofahrer?

Lukas Hässig: Für mich ist das Velo Ersatz fürs Fitnessstudio. Deshalb nutze ich es jeden Tag, egal, obs regnet, stürmt, schneit oder die Sonne brennt. Mir hilft das regelmässige Fahren, das vom einstigen Fussballspiel geschundene Knie zu stärken – damit konnte ich eine Operation bisher vermeiden.

Velomarkt: Fährst Du ein EBike oder ein normales Velo und wie erlebst Du den Unterschied?

Lukas Hässig: Ebikes interessieren mich nicht. Velo heisst pedalen, Lunge und Beine stärken, nicht säuselnd den Berg hochdüsen. Lastenvelos kommen natürlich ohne Antrieb nicht aus, aber die finde ich sowieso brandgefährlich – riesig, schwer, klobig, die SUVs auf zwei Rädern. Mit 90 brauche ich vielleicht ein Motörchen, dann reden wir wieder.

Velomarkt: Wie lange fährst Du schon Velo, rsp. wie lange gedenkst Du noch Velo zu fahren?

Lukas Hässig: Als Junger wollte ich so schnell wie möglich den Autoschein, und weil ein Militärkollege mir eine tolle 125er verkaufte, machte ich auch noch die Töffprüfung. Der erste Wagen war ein Innocenti, dessen Motor es nach 3 Wochen zerfetzte: Ölleck, die Verkäufer hatten mich über den Tisch gezogen (meine Mutter hatte mich noch gewarnt). Später krachte es, ich klammerte mich ans Steuer – dann überholte mich hüpfend ein Rad und blieb am Strassenrand liegen. Mit 30 fuhr ich meistens mit dem Rad, das Beste in der Stadt Zürich. Etwas teurere Autos kamen mit den Kindern ins Spiel.

Velomarkt: Was denkst Du vom Velo als politisches Thema?

Lukas Hässig: Velobrücken und -tunnels können in Zürich nicht teuer genug sein, werden aber kaum gebraucht, ebenso wie viele Velo-Highways. Die sind obendrauf gefährlich; die Ebikers rasen mit 50 Sachen durch Wohnquartiere mit Kindern. Dort, wo Velostreifen dringend nötig wären, wie an der Rämistrasse vom Bellevue hoch zum Pfauen, ist guter Rat teuer: Es fehlt der Platz. Der Stadtzürcher Velo-Ausbau für Hunderte von Millionen Franken stammt aus der Feder von Nicht-Velofahrern. Weniger wäre mehr: Dafür bräuchte es Kenner, die dort dem Velo helfen, wo es wirklich gefährlich ist.