Bis 2035 sollen 30 Prozent aller Wege in Bern mit dem Velo zurückgelegt werden – ein ambitioniertes, aber laut Stadtverwaltung realistisches Ziel, zumal der Veloverkehr 2025 bereits um 7 Prozent gegenüber dem Vorjahr gewachsen ist. Um dahin zu kommen, steigt das Budget der Fachstelle Fuss- und Veloverkehr von bisher 2,45 auf neu maximal 3,15 Millionen Franken pro Jahr. Im Interview erklärt die Stadt, warum lange Planungszeiträume bei Grossprojekten wie «Zukunft Bahnhof Bern» eine besondere Herausforderung sind, und warum die Veloförderung im Berner Stadtparlament und an der Urne auf breite Zustimmung stösst.

Velomarkt: Wie hat sich das Budget für die Sicherheit im 2Rad Verkehr in Ihrer Stadt in den letzten 5 Jahren entwickelt?
Stadt Bern: Das Budget allein für die Sicherheit lässt sich nicht beziffern, da Massnahmen für die Sicherheit nebst der allgemeinen Verbesserung der Infrastruktur, Fördermassnahmen und Dienstleistungen nur einen Teil der Veloförderung in der Stadt Bern darstellen. Das Budget der Fachstelle Fuss- und Veloverkehr betrug bisher 2,45 Millionen Franken pro Jahr. Künftig steht ein Maximalbetrag von 3,15 Millionen Franken pro Jahr zur Verfügung, was dazu dient, die neuen Standards für den Fuss- und Veloverkehr umzusetzen und die Verkehrsverlagerung weg vom Auto weiter voranzutreiben. Zudem ist darauf hinzuweisen, dass viele Velomassnahmen, darunter im Bereich der Sicherheit, auch in Drittprojekten der Stadt umgesetzt werden und nicht über das Budget der Fachstelle abgerechnet werden. Generell gilt, dass das Velo in den Verkehrsprojekten eine immer wichtigere Rolle einnimmt.
Velomarkt: Wie gross sind die Bestrebungen, den 2Rad Verkehr mit dem motorisierten Verkehr (Privatverkehr, Fahrzeuge, Lastwagen) in Einklang zu bringen?
Stadt Bern: Die Stadt Bern strebt eine Verlagerung des motorisierten Individualverkehrs auf den öffentlichen, Fuss- und Veloverkehr an. Eine attraktive Infrastruktur für den Fuss- und Veloverkehr hat deshalb hohe Priorität.
Velomarkt: Wo wollen Sie mit Ihrer Stadt in Bezug auf den 2Rad-Verkehr in 5 Jahren sein?
Stadt Bern: Die Stadt Bern strebt an, dass bis 2035 30% der Wege in der Stadt Bern mit dem Velo zurückgelegt werden. Dieses Ziel ist ambitioniert, aber realistisch. 2025 verzeichneten die städtischen Messstellen ein Wachstum des Veloverkehrs gegenüber 2024 um 7 Prozent.
Velomarkt: Welches sind die grössten Herausforderungen bei der Stadt (Verkehrs-) Planung in Bezug auf den 2Rad Verkehr?
Stadt Bern: Eine Herausforderung für den Veloverkehr ist der lange Planungszeitraum von Grossprojekten wie beispielsweise «Zukunft Bahnhof Bern» oder Projekten für einen Gleisersatz. Die Stadt Bern geht diese Herausforderung an, indem sie nebst den längerfristigen baulichen Projekten gleichzeitig kurzfristige Massnahmen auf der Ebene Signalisation und Markierungen erarbeitet. Eine andere Herausforderung sind die vielen verschiedenen Interessen, die im städtischen Raum zusammenkommen, wie beispielsweise Massnahmen fürs Stadtklima, Aufenthaltsraum sowie Infrastruktur für den Fuss- und Veloinfrastruktur. Hier gilt es von Situation zu Situation geeignete Lösungen zu finden.
Velomarkt: Wie hoch ist die Debatte um die 2Rad-Thematik politisch gefärbt, anders gefragt, stellen Sie die Praktikabilität der Massnahmen in Bezug auf ALLE Verkehrsteilnehmer über die politischen Ansichten der aktuellen Regierung?
Stadt Bern: In der Stadt Bern geniesst die Förderung des Veloverkehrs eine breite politische Rückendeckung. Dies zeigen sowohl die zahlreichen politischen Vorstösse des Parlaments zur Veloinfrastruktur als auch die hohen Zustimmungswerten bei Volksabstimmungen beispielweise zu Velostationen.