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170’000 Quadratmeter für den Wandel: Winterthurs Weg weg vom Auto

Bis 2033 sollen in Winterthur mindestens 80’000 Quadratmeter Verkehrsfläche zu Flächen für Velo-, Fuss- und öffentlichen Verkehr umgewandelt werden – bis 2040 nochmals 90’000 Quadratmeter dazu. Das hat die Stimmbevölkerung im Juni 2024 mit dem Gegenvorschlag zur «Zukunftsinitiative» entschieden, und geht damit deutlich weiter als das, was der Stadtrat ursprünglich vorschlug. Im Interview erklärt die Stadtverwaltung, warum sich Velo und Auto in Winterthur politisch kaum gegeneinander ausspielen lassen, was das für die Sanierung von Unfallschwerpunkten bedeutet – und wo in den nächsten fünf Jahren die grössten Fortschritte anstehen sollen.

Velomarkt: Wie hat sich das Budget für die Sicherheit im 2Rad Verkehr in Ihrer Stadt in den letzten 5 Jahren entwickelt

Stadt Winterthur: Das lässt sich nicht exakt beziffern. Eine Vielzahl von städtischen Bestrebungen dient der Sicherheit des Zweiradverkehrs. Direkt etwa die systematische Erhebung und Sanierung der Schwachstellen im Fuss- und Veloverkehr (war eine Massnahme des Legislaturprogramms des Stadtrats 2022/26) und die Sanierung von Unfallschwerpunkten. Aber auch die Optimierung der Veloführung im Rahmen der Sanierungen von Lichtsignalanlagen oder die Markierung möglichst durchgängiger Velostreifen im Rahmen von Strassensanierungen, die Umsetzung der Winterthurer Velorouten oder die Ausdehnung von Tempo 30.

Velomarkt: Wie gross sind die Bestrebungen, den 2Rad Verkehr mit dem motorisierten Verkehr (Privatverkehr, Fahrzeuge, Lastwagen) in Einklang zu bringen

Stadt Winterthur: Die markante Steigerung des Zweiradanteils am städtischen Modalsplit ist ein erklärtes Ziel des neuen Winterthurer Richtplans. Dies zur Erreichung der vom Volk gesetzten Klimaziele, aber auch zur effizienten Nutzung des knappen Stadtraums. Im konkreten Fall braucht es immer eine situationsspezifische Lösung. Je nach Verkehrsaufkommen und Geschwindigkeiten wird der Veloverkehr auf der Fahrbahn mit dem MIV oder getrennt geführt.

Velomarkt: Wo wollen Sie mit Ihrer Stadt in Bezug auf den 2Rad-Verkehr in 5 Jahren sein

Stadt Winterthur: Alle Winterthurer Velorouten sollen umgesetzt sein oder sich in Projektierung befinden.

Velomarkt: Welches sind die grössten Herausforderungen bei der Stadt (Verkehrs-) Planung in Bezug auf den 2Rad Verkehr

Stadt Winterthur: Viele Ansprüche an begrenzten Raum.

Velomarkt: Wie hoch ist die Debatte um die 2Rad-Thematik politisch gefärbt, anders gefragt, stellen Sie die Praktikabilität der Massnahmen in Bezug auf ALLE Verkehrsteilnehmer über die politischen Ansichten der aktuellen Regierung

Stadt Winterthur: In Winterthur gibt es grundsätzlich einen breiten politischen Rückhalt für den Ausbau von Veloinfrastruktur. Oder anders gesagt: Velo und Auto lassen sich politisch kaum offen gegeneinander ausspielen. Im Gegenteil verweisen auch bürgerliche Parteien beim Bekämpfen von Strassenprojekten, die sie aus anderen Gründen ablehnen, gerne auf angebliche Nachteile für den Veloverkehr. 

Am 9. Juni 2024 hat die die Stimmbevölkerung zudem dem Gegenvorschlag zur «Zukunftsinitiative» zugestimmt. Er fordert die Umwandlung von mindestens 80’000 Quadratmetern Verkehrsfläche bis 2033 und von weiteren 90’000 Quadratmetern bis 2040 in Flächen für den Fussverkehr, den Veloverkehr sowie den öffentlichen Verkehr (ÖV). Diese Ziele gehen deutlich weiter als die ursprünglich von der Stadtregierung  (Stadtrat) vorgeschlagenen Kennzahlen. Auch wenn dieser damals wie heute eine rot-grüne Mehrheit hat und sich ehrgeizige Ziele in Sachen stadtverträglicher Mobilität gesteckt hat.